Die Tradition des Kränzens

Eine sehr alte Tradition in unserer Gegend ist das Schmücken des Hauseingangs vor Hochzeiten, Kommunionen oder Konfirmationen mit einem Kranz um die Tür. Bei Gold- oder Diamanthochzeiten wurden nicht nur Kränze um die Tür gebunden, sondern sogar die ganze Zuwegung in aufwändiger Art und Weise geschmückt. Gebunden wurde das Tannengrün tradionell um ein dickes Seil, später auch auf Dachlatten. Anschließend wurden die selbstgedrehten Krepp-Papier-Röschen in den Kranz gesteckt. Oft war ein Kreuz aus kleineren Röschen bei Kommunionen/Konfirmationen oder zwei Ringe bei Hochzeiten in die Querkränzung eingearbeitet.

Warum wurde das gemacht? Um den Kindern, Brautleuten oder Jubilaren Glück zu wünschen, um darauf aufmerksam zu machen, dass in diesem Haus ein Fest stattfindet, aber sicher auch um nach getaner Arbeit miteinander ein, zwei Likörchen, Schnäpschen oder Bierchen zu sich zu nehmen .

Es müssste 1991 gewesen sein, als diese Tradition auch bei uns noch jungen Leuten (heute sind wir irgendwas zwischen 60 und 70:-)) langsam aber sicher anlässlich der Erstkommunion von Lukas Altmann wieder sehr lebendig wurde. Viele junge Familien mit Grundschulkindern lebten auch damals im Dorf. Manche kannten die Tradition, manchen war sie gänzlich unbekannt. Wir hatten sehr gute Lehrmeister im Dorf in den „Alteingesessenen“, sie wussten wie man Röschen auf Stricknadeln dreht, wer Tannengrün zur Verfügung stellen konnte, wer das Grün auf seinem Kippkärchen holen würde, wer gut binden konnte sowohl auf der Dachlatte als auch um das Seil…

Irgendwann schafften wir uns sogar ein Papierrosen-Drehmühlchen über den Floristenbedarf an. Dieses Mühlchen existiert immer noch und funktioniert wunderbar! Hin und wieder ein Tröpfchen Öl und es läuft tatsächlich wie geschmiert. Manche Jahre knubbelten sich die Kommunionen und Konfirmationen, aber jeder der einen Kranz oder ein geschmücktes Bäumchen wollte, bekam eines.

Sehr kreativ wurden wir, als wir Bäumchen brauchten. Wir nahmen ausrangierte Eimer von Bäcker Stommel, füllten sie mit Beton und steckten Metallstangen hinein, an deren oberem Ende eine große Kugel aus Maschendraht befestigt war. In die Maschendrahtkugel steckten wir das frische Grün usw. Apropos Grün…durch die Verschiebung der Feste von Weißen Sonntag auf Christi Himmelfahrt und Fronleichnam war das Tannengrün nicht mehr allein verwendbar. Die zu diesem Zeitpunkt schon ausgetriebenen Spitzen sahen einfach nach kürzester Zeit nicht mehr schön aus… wir fingen an, Koniferengrün

dazu zu nehmen und auch da entwickelten sich Gewohnheiten… eigentlich wussten wir immer, wer was mitbrachte… Thuja gelb, Thuja grün, Buxbaum (vom Zünzler hatte damals noch niemand was gehört) und oft Nordmanntanne von Irene.

Manches Mal waren wir in regelrechtem „Wahn“, eins gab das Andere und überall kamen Röschen hin … wenn schon denn schon sagten 2010 die Brautleute Anja und Sebastian …

Aber wie mit vielen anderen Dingen so auch hier, nicht nur die Zeiten verändern sich, auch die Bedürfnisse der Menschen … der alte Brauch schläft zur Zeit …. das Mühlchen jedoch wartet betriebsbereit. Rohlinge für die Bäumchen gibt es auch noch….Bald haben vielleicht wieder Kinder oder Paare ihr Fest und würden sich freuen, wenn das Mühlchen zum Einsatz kommt ….

Für mich war eine wunderbare Zeit mit viel Lachen und Fröhlichkeit.. das könnte natürlich auch an Ellens Erdbeerbowle, Juttas Eierlikör oder Dominiques Erdbeerlimes gelegen haben …

Ulla

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

5 − 2 =

*